Urheber = Fastfood für Verwerter?
Von Carola Kickers | 11.03.2011 | Letzte Aktualisierung: 15.03.2011 | Kategorie: AKTUELL, GT-INFOPOINT für Autor/In, GT-KOLUMNEN, »FEUILLETON« | 6 Kommentare
Der Urheber = Fastfood für Verwerter?
Sie picken sich die Rosinen aus dem Kuchen, und zwar die bekannten Namen. Dafür braucht es jedoch einen Teig und den formen sie mit den zahllosen weniger bekannten Urhebern – sei es nun im Bereich Musik oder Literatur. Die Rede ist von einigen Verwertern unserer Werke!
Sie schließen Verträge, die jedoch bei eben diesen weniger bekannten Autoren und Musikern nach meiner Erfahrung nach so gut wie gar nicht eingehalten werden. Hier ist der Werteverfall unserer Gesellschaft deutlich spürbar. Kaufmännisch korrekt verhalten sich nur noch die wenigsten und davon zumeist kleinere Unternehmen im Schatten der Konzerne und “Konsortien”. Verträge sind für einige Geschäftsführer heute soviel wert wie Toilettenpapier. Gerade bei unbekannten Urhebern verzichtet man scheinbar bewusst auf eine Auszahlung der Tantiemen. Kaufmännisch korrekt bei keinen Verkäufen wäre hier eine Nullabrechnung in den vereinbarten Vertragszeiträumen! Aber wozu sich die Mühe machen? Der Urheber denkt ja sowieso, es wurde nichts verkauft! Traut dieser sich tatsächlich, bei den “großen Tieren” mal nachzuhören, wird er vertröstet oder mit lapidaren Ausreden abgespeist in dem Wissen, dass sich viele Menschen heute keinen teuren Anwalt mehr leisten können. Offenbar wird das Geld gebraucht, um die Zugpferde gut zu füttern, denn sonst wären solche Machenschaften längst bekannter geworden. Dabei werden immer mehr Autoren und Musiker kräftig über den Tisch gezogen. Und kündigt einer von denen tatsächlich seinen Vertrag – was soll’s? Da stehen doch zehn weitere vor der Tür, die man mit vollmundigen Versprechen anlockt.
Mein Vorschlag wäre es, eine Initiative gegen diese Abzocke zu gründen, ähnlich der Organisation FAIRLAG für die Verleger. Interesse? ![]()
(ck)
Bild: Huckfinne | Quelle: Wikipedia
Kurzlink zum Beitrag: http://globaltalk.de/?p=7211










Hm das gilt nicht nur für Verlage….
Es ist leider so das sich diese Verhaltensweisen
fast wie ein Virus gerade auch in der Geschäftswelt
verbreitet, sei es nun im Bezug auf Verträge
oder Abmachungen und Zusammenarbeit.
Es ist immer wieder der Fall das wir den anderen
hinterher rennen, obwohl es eigentlich um deren
Vorteile und Werbung geht.
Naja und an eine Danke von vielen ist eh nicht zu denken. ;-(
Ich gehöre ja “nur” zu den Endkonsumenten und weiß daher größtenteils gar nicht wer da wie welche Rechte hat.
Aber es ist doch wirklich überall so, die die es sich leisten können ziehen die anderen über´n Tisch wo sie nur können.
Ich denke, dass ist eine der Symptome wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt hat. In meiner Kindheit waren Ehrlichkeit, Höflichkeit und Anstand noch ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens,
Heute vermisse ich das an allen Ecken und Kanten und ganz ehrlich, das stimmt mich mehr als traurig!
Ja, es geht nur noch um Profit. Verträge sind nicht mehr wert als das Papier, auf dem sie geschrieben sind, und einige meiner (jetzt ehemaligen) Verlage/Vertragspartner haben die vertraglich vereinbarten Autorentantiemen nie gezahlt bzw. verwerten bis heute Werke, an denen Sie keinerlei Rechte mehr haben! Das Schlimmste aber sind die sogenannten “Agenten”, die mit großspurigen Versprechungen locken und nichts als Fassade sind. Die tummeln sich in Social Networks und angeln weitere arglose Urheber, von denen sie profitieren können. Man muss schon einiges an “krimineller Energie” in sich tragen, um so gewissenlos zu handeln. Ich frage mich, ob die Kinder dieser Leute jemals stolz sein können auf ihre Väter.
Ja, dieses Ausnutzen unbekannter Autoren für die eigenen Zwecke lässt sich überall beobachten. Da sind auch große “unabhängige” Literaturportale nicht ganz frei (um Mißverständnissen gleich vorzubeugen: das ist jetzt nicht auf Global Talk gemünzt!). Sie versprechen den Autoren Förderung durch Aktionen, umfassende Präsentationsmöglichkeiten etc. etc.. Schaut man jedoch genauer hin, sind es die bekannten Autoren, die Bestseller, die immer wieder im Vordergrund stehen, die Unbekannten bilden die Masse, die Substanz, die Erfolgsautoren (natürlich die mit potenten Verlagen und ihrem ansehnlichen Werbeetat im Hintergrund) sorgen für das Renomee und sicherlich auch für die materielle Grundlage der Seitenbetreiber und garantieren darüber wiederum, dass die sich Leser für die Bestsellerautoren begeistern und die unbekannten gar nicht zur Kenntnis nehmen (man will als Leser ja in sein).
Auch wenn das jetzt nichts mit schriftlichen Verträgen und vorenthaltenen Tantiemen zu tun hat, Autoren mit vermeintlichen Möglichkeiten zu ködern, die dann faktisch doch nicht geboten werden, ist zwar keine juristisch belastbare Straftat, als eine gewisse Form von Betrug und moralischer Verkommenheit würde ich das dennoch bezeichnen.
Allerdings sollte auch kein Autor so naiv sein, und etwas anderes erwarten, weder von den angesprochenen Verlagen, noch von den “unabhängigen” Literaturplattformen (die ja gerne mit den angesprochenen Verlagen zusammenarbeiten).
Ich weiss, ich bin mit meiner Frage spät dran – aber was ist denn konkret passiert? Es klingt, als hätten Sie eine oder mehrere schlimme Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht. Und da wären ein paar Details natürlich interessant…
Dieser Artikel basiert auf tatsächlichen Erfahrungen im Laufe der letzten vier Jahre. Aus rechtlichen Gründen dürfen natürlich Namen und Firmen nicht genannt werden. Ein paar Beispiele, “was man so erlebt”, finden sich übrigens auch auf meinem Blog. http://j.mp/nRjolr